
Manu Chao / Extremes Zusammenleben im Park
Oktober 18, 2006Rock al Parque ist das größte kostenlose Open-Air-Festival Lateinamerikas. In den drei Tagen vom 14. bis zum 16. Oktober waren nach Angaben des Veranstalters insgesamt 43 Bands aus sieben Ländern und 320.000 Personen anwesend. Ich nehme an, dass der Name von Rock im Park in Nürnberg inspiriert ist, aber sicher bin ich nicht. Ohnehin dürfte es erhebliche Unterschiede zwischen beiden Festivals geben. Rock al Parque wird vom Instituto Distrital de Cultura y Turismo der Alcaldía Mayor de Bogotá D.C. veranstaltet, das es sich zum Ziel gesetzt hat, damit nicht nur „die musikalischen Vorschläge im Genre Rock“ zu fördern, sondern auch Toleranz und friedliches Zusammenleben. Schön, schön! Und damit auch alle lieb sind, gibt es ein bisschen was zu beachten.
Vorher soll man ordentlich trinken und essen, eine Regenjacke und festes Schuhwerk sind mitzubringen. Folgende Gegenstände darf man nicht mit auf’s Festivalgelände bringen: Essen, Getränke in egal welcher Verpackung, Regenschirme, Alkohol, Zigaretten, Gürtel und natürlich Waffen aller Art oder andere Gegenstände, die sich eignen, um irgendjemanden zu verletzen. Als wir in der Schlange standen, ging das Gerücht, dass auch Haarspangen abgegeben werden müssten, aber das war dann glücklicherweise doch nicht der Fall. Für das Gürtelproblem gibt es auch eine Lösung, die mobile Gaderobe, eigentlich ein tolles Geschäftsmodell, ohne große Anfangsinvestitionen, denn mehr als ein paar Plastiktüten und irgendwelche Zettelchen als Pfandmarken braucht man dafür eigentlich nicht. (Erinnert mich daran, dass ich noch mal was über Micro Business in Bogotá schreibe, ein wirklich spannendes Thema.) Am Einlass wurden natürlich alle noch mal gründlich kontrolliert und abgetastet, ein hier durchaus nicht seltenes Prozedere, aber für Frauen sind immerhin immer Soldatinnen da. Das Konzertgelände im Parque Bolívar ist riesig, es fasst 50.000 oder 80.000 Personen, ich bin mir gerade nicht mehr sicher, es sind viele, und es ist nicht so, dass ich den Unterschied sehen könnte, ganz ehrlich. Vor dem Zaun bildeten jede Menge missgelaunt drein blickende Militärs einen menschlichen Schutzschild (vielleicht mögen die ja Manu Chao nicht?!). Außerdem waren die Leute ausgesprochen unbetrunken, denn Bier gab’s ja nicht. Überhaupt wurden die Moderatoren nicht müde, die herrliche gute Laune, die allgemeine Toleranz und das vorbildliche Benehmen auf dem Festival hervorzuheben. Ich schätze, beim Namensvetter in Nürnberg dürfte es doch ein bisschen anders zugegangen sein.
Ja. Manu Chao kam sogar überpünktlich, weshalb ich ihm hiermit verzeihe, dass ich einmal, in einer kalten Januarnacht in Barcelona, über vier Stunden auf ihn warten musste. Aufgrund der großen Entfernung konnte ich leider nicht erkennen, was er für eine Frisur hatte, ich war mir ehrlich gesagt auch nicht immer sicher, ob er der ist, der links hüpft, oder doch der andere, der rechts hüpft. Er sang ein paar neuere Lieder, die ich noch nicht kannte, und viele von den älteren, die alle kennen. Er nannte den gefährlichsten lebenden Mann der Welt beherzt beim Namen (nein, nicht Bin Laden) und erntete dafür großen Beifall. Er widmete all jenen Kolumbianern ein Lied, die es auf der Suche nach Glück und Wohlstand nach Barcelona verschlagen hat. Da wurde weniger geklatscht, und ich frage mich, ob die Kolumbianer es ihren Landsleuten übelnehmen, dass sie sich verkrümeln… In der Menge wurde eine Flagge geschwenkt, auf der neben dem Konterfei von Che auch diejenigen von Subcomandante Marcos und Camilo Torres zu sehen waren. (Letzteren kannte ich vorher auch nicht, ein kolumbianischer Guerillaführer, gestorben 1966.)
Es war ein bisschen eng, aber es war schön! Und friedlich, in der Tat.
Als wir kurz nach zehn (bei Konzerten haben die hier ein bisschen komische Uhrzeiten, das Festival fing jeden Tag um eins an und war um zehn wieder vorbei) das Gelände verließen, fanden wir uns erst in einem Wald aus Perro(Hot Dog)- und Hamburguesa-Ständen wieder und dann kein Taxi. Und standen im Regen, und ich fragte mich, warum das größte kostenlose Open-Air-Festival Lateinamerikas eigentlich im regenreichsten Monat des Jahres stattfindet. Irgendwann dann doch zu Hause angekommen, fand ich mich mit dem Widerspruch ab, nass zu werden, wenn ich es nicht möchte, aber kein Wasser zu haben, um mich zu waschen…

Ja, das war toll!!Ich weiß zwar nicht, ob „unsere Männer“ das unterschreiben würden, aber ich glaube, wir sind uns einig, -viel besser als unser Tête-à-tête mit Shakira!
hallo…
oh nein, ich hab Manu Chao verpasst, was für eine Katastrophe. Ich war zu der Zeit nämlich auch in diesem Regenloch mit Namen Bogotá. Ich war einmal auf einem Konzert von ihm in La Paz – unvergesslich!!Jetzt lebe ich in Medellin, bei weitaus angenehmeren Klima. Lebst du auch in Kolumbien? Ich habe einen Blog über Kolumbien erstellt, kannst du dir ja mal anschauen unter http://www.philipparnold.de Ich hab deinen Blog übrigens mit meinem verlinkt.
sonnige Grüße aus Medellin,
Philipp